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Hochwasser & Überschwemmung: Wann zahlt die Versicherung?

Nils Franke 8 Min. Lesezeit

Hochwasser & Überschwemmung: Wann zahlt die Versicherung?

Hochwasser gehört in Deutschland zu den folgenreichsten Naturgefahren für Wohngebäude. Ob ein Fluss nach anhaltendem Regen über die Ufer tritt oder ein Deich bricht – für Eigentümer ist entscheidend, ob und in welchem Umfang die Versicherung den entstandenen Schaden übernimmt.

Die Wohngebäudeversicherung deckt Hochwasser nicht automatisch ab; dafür ist der Zusatzbaustein Elementarschadenversicherung erforderlich. Dieser Beitrag erläutert, wann eine Hochwasserversicherung leistet, wann sie nicht zahlt und worauf Sie beim Abschluss einer Hochwasser Versicherung achten sollten.

Die Elementardeckung ist ein eigener Baustein, kein Automatismus – die Grundlagen dazu stehen im Beitrag was die Elementarversicherung abdeckt und wann sie sinnvoll ist. Hier geht es speziell um das Wasser vom Fluss und vom Himmel.

Ist Hochwasser in der Gebäudeversicherung enthalten?

Nein – nicht in der Standard-Police. Die Wohngebäudeversicherung deckt serienmäßig nur die drei Grundgefahren Feuer, Sturm/Hagel und Leitungswasser. Hochwasser und Überschwemmung sind erst mit dem zusätzlichen Baustein Elementarschadenversicherung versichert.

Genau hier liegt das größte Missverständnis, das mir in dreißig Jahren begegnet ist: Viele Eigentümer sind überzeugt, „irgendwie" geschützt zu sein – und stehen nach dem ersten Hochwasser ohne Deckung da. Seit 2021 bieten die Versicherer den Elementarschutz bei neuen Verträgen zwar meist automatisch an, doch abwählen lässt er sich weiterhin. Nach Zahlen des GDV ist bislang nur rund die Hälfte der Gebäude in Deutschland umfassend gegen Naturgefahren versichert.

Beispiel: Nach einem Gewitter läuft der Bach im Ort über und flutet das Souterrain. Der Eigentümer meldet den Schaden – und erfährt, dass seine Police nie einen Elementarbaustein hatte. Der Schaden ist real, der Schutz fehlt. Wer eine echte Hochwasserversicherung will, prüft deshalb zuerst, ob der Elementarbaustein überhaupt Teil des Vertrags ist.

Was ist ein Hochwasser – und was versichert Ihre Police?

Rein rechtlich ist Hochwasser laut Wasserhaushaltsgesetz eine zeitlich begrenzte Überschwemmung von normalerweise nicht mit Wasser bedecktem Land, vor allem durch oberirdische Gewässer. Versicherer arbeiten aber mit einem anderen Begriff: Sie versichern nicht „Hochwasser", sondern „Überschwemmung". Diese Unterscheidung ist der Kern vieler Streitfälle.

Da wir ein Binnenland sind, geht es bei uns fast immer um die Flüsse: Der Rhein oder ein kleiner Bach gibt zu viel Wasser ab, tritt über die Ufer oder durchbricht einen Deich. Genau das – die Ausuferung eines oberirdischen Gewässers, ausdrücklich auch durch Dammbruch – ist die klassische versicherte Ursache. Der Meerwasser-Fall an Nord- und Ostsee (Sturmflut) ist dagegen der Sonderfall am Rand und in der Regel nicht mitversichert.

Nach den GDV-Musterbedingungen (VGB) liegt eine Überschwemmung vor, wenn Grund und Boden Ihres Versicherungsgrundstücks mit erheblichen Mengen Oberflächenwasser überflutet werden. Der entscheidende Merksatz für Sie: Ein hoher Pegelstand allein ist noch kein Schadenfall. Das Wasser muss über die Erdoberfläche tatsächlich auf Ihr Grundstück treten und dort stehen.

Diese Feinheit klingt bürokratisch, entscheidet aber bares Geld: Läuft nur ein Kellerlichtschacht voll oder drückt Nässe von unten durch die Bodenplatte, ohne dass draußen sichtbar Wasser auf dem Grundstück stand, lehnen Versicherer regelmäßig ab.

Welche Hochwasser-Schäden sind versichert – und welche nicht?

Mit Elementarschutz versichert ist die Überflutung Ihres Grundstücks durch ausufernde Flüsse und durch Starkregen. Nicht versichert sind dagegen typischerweise Sturmflut und reines Grundwasser. Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Fälle rund um die Gebäudeversicherung bei Hochwasser zu.

Zuordnung nach Ursache – Grundlage: GDV, VGB 2022
Ursache am WohngebäudeElementar?Sonst gedeckt über
Ausuferung von Flüssen/Bächen
Deich- oder Dammbruch
Überflutung durch Starkregen
Rückstau aus dem Kanalnur mit Sicherung
Grundwasser ohne Überschwemmungnicht versichert
Sturmflut vom Meernicht versichert

Das Prinzip dahinter ist einfach: Versichert ist Oberflächenwasser von oben oder von der Seite, nicht das Wasser von unten. Beim Rückstau verlangen die meisten Versicherer zusätzlich eine funktionsfähige Rückstausicherung. Zu diesem heiklen Grenzbereich gehe ich im Beitrag zu Rückstau & Grundwasser ins Detail; wie Starkregen abgegrenzt wird, lesen Sie im Beitrag zu Starkregen-Schäden.

Wann zahlt die Versicherung bei Hochwasser nicht?

Auch mit Elementarbaustein kann der Versicherer kürzen oder ablehnen. Wenn die Hochwasser Versicherung nicht zahlt, liegt das fast immer an einem der folgenden Punkte – und der häufigste ist banal: Es war schlicht kein Elementarschutz vereinbart.

  • Kein Elementarbaustein in der Police – der häufigste Grund
  • Grobe Fahrlässigkeit trotz Hochwasserwarnung
  • Verschwiegene Vorschäden oder falsche Angaben zur Lage
  • Rückstau ohne funktionsfähige Rückstausicherung
  • Nur Teilüberflutung oder Grundwasser von unten
  • Vereinbarte Wartezeit direkt nach Vertragsabschluss

Besonders die grobe Fahrlässigkeit wird unterschätzt. Führt der Versicherungsnehmer den Schaden grob fahrlässig herbei, darf der Versicherer die Leistung entsprechend der Schwere des Verschuldens kürzen; bei Vorsatz entfällt sie ganz.

Beispiel: Trotz amtlicher Hochwasserwarnung bleiben die Kellerfenster gekippt, Wasser läuft hinein. Der Versicherer sieht grobe Fahrlässigkeit und kürzt die Leistung deutlich – der Schaden wäre mit geschlossenen Fenstern vermeidbar gewesen.

Hochwasser, Starkregen oder Rückstau – wo ist der Unterschied?

Alle drei fallen in den Elementarschutz, haben aber unterschiedliche Ursachen – und das ist für die Regulierung wichtig. Flusshochwasser entsteht durch die Ausuferung eines Gewässers, Starkregen durch lokal extreme Niederschläge, und beim Rückstau drückt Wasser aus der überlasteten Kanalisation zurück ins Gebäude.

Wasser dringt bei Hochwasser durch einen Kellerlichtschacht in ein Wohnhaus ein und läuft am Kellerfenster hinein
Volllaufender Lichtschacht: Deckung hängt an der Ursache

Für Sie in der Praxis heißt das: Flusshochwasser und Starkregen sind mit Elementarschutz grundsätzlich mitversichert, beim Rückstau verlangen die meisten Versicherer die genannte Rückstausicherung als Voraussetzung. Ein Blick in die konkreten Bedingungen lohnt sich hier immer.

Wie bewerten Versicherer das Hochwasserrisiko?

Versicherer stufen jede Adresse über das GDV-System ZÜRS Geo in eine von vier Gefährdungsklassen ein. Je höher die Klasse, desto teurer der Elementarzuschlag – in seltenen Extremlagen wird der Schutz nur mit Auflagen angeboten. Wie diese Einstufung funktioniert, erkläre ich im Beitrag zu den ZÜRS-Risikozonen.

Warum sich der Schutz lohnt, zeigen die Schadenzahlen der Branche. Sie machen deutlich, dass Hochwasser kein Randthema mehr ist, sondern regelmäßig Milliardenschäden verursacht.

Quelle: GDV-Naturgefahrenstatistik / Naturgefahrenreport (Werte gerundet)
KennzahlWert
Naturgefahren in 50 Jahrenüber 230 Mrd. €
Rekordjahr 2021 gesamt12,6 Mrd. €
Juli-Flut 2021 allein8,5 Mrd. €
Naturgefahren 20245,7 Mrd. €
Starkregen/Überschwemmung 20242,6 Mrd. €
Gebäude mit Elementarschutzrund die Hälfte

Zwei Zahlen sollten Sie sich merken: Allein Starkregen und Überschwemmungen schlugen 2024 mit 2,6 Milliarden Euro zu Buche – und trotzdem ist nur etwa jedes zweite Gebäude ausreichend geschützt. Diese Lücke ist der eigentliche Grund, warum ich das Thema so ernst nehme.

Was tun nach einem Hochwasserschaden?

Melden Sie einen Hochwasserschaden so früh wie möglich und dokumentieren Sie alles, bevor Sie mit dem Aufräumen beginnen. Eine saubere Dokumentation ist bei der Regulierung oft entscheidend – gerade wenn später die Frage aufkommt, ob wirklich Oberflächenwasser die Ursache war.

  1. Sicherheit zuerst: Strom im betroffenen Bereich abschalten, keine Risiken eingehen.
  2. Versicherer sofort informieren: am besten noch am Schadentag.
  3. Schäden festhalten: alles fotografieren und eine Schadenliste anlegen.
  4. Nichts vorschnell entsorgen: beschädigte Gegenstände dokumentiert aufbewahren.
  5. Reparatur abstimmen: Trocknung und Sanierung mit dem Versicherer absprechen.
Hausbesitzer dokumentiert einen Hochwasserschaden im überfluteten Keller mit dem Smartphone für die Versicherung
Fotos vor dem Aufräumen sichern Ihre Ansprüche

Wer diese Reihenfolge einhält, macht dem Versicherer die Prüfung leicht und sich selbst das Leben. Gerade bei größeren Schäden entscheidet die frühe, vollständige Dokumentation häufig darüber, wie zügig und wie hoch reguliert wird.

Fachbegriffe im Überblick
Oberflächenwasser
Wasser, das sichtbar auf dem Grund und Boden steht – im Gegensatz zu Grundwasser, das von unten eindringt.
Ausuferung
Ein Gewässer tritt über seine Ufer; ausdrücklich zählt dazu auch der Deich- oder Dammbruch.
Elementarschadenversicherung
Zusatzbaustein der Wohngebäudeversicherung für Naturgefahren wie Überschwemmung, Starkregen und Erdrutsch.
Rückstau
Wasser drückt aus überlasteter Kanalisation zurück ins Gebäude – meist nur mit Rückstausicherung versichert.
ZÜRS Geo / Gefährdungsklasse
GDV-System, das jede Adresse nach Hochwasserrisiko in vier Klassen einteilt und den Beitrag mitbestimmt.
Selbstbehalt
Vereinbarter Eigenanteil je Schadenfall, der bei Elementarschäden häufig gesondert geregelt ist.

Fazit nach meinen 30 Jahren Branchenerfahrung

In drei Jahrzehnten habe ich zu viele Eigentümer erlebt, die im nassen Keller standen und felsenfest glaubten, ihre Gebäudeversicherung werde das schon zahlen. Seit der Elementarschutz abwählbar geworden ist, sehe ich diesen Denkfehler noch häufiger – oft, weil ein paar Euro Beitrag gespart werden sollten. Meine ehrliche Meinung: Bei praktisch jedem Wohngebäude ist der Verzicht auf den Elementarbaustein heute eine Wette gegen das Klima, die Sie verlieren.

Der zweite Hebel, an den kaum jemand denkt, ist die eigene Gefährdungsklasse. Prüfen Sie sie, bevor Sie einen Schaden haben, und seien Sie bei Vorschäden und Angaben absolut ehrlich – eine billige Police, die im Ernstfall nicht zahlt, ist die teuerste von allen. Entscheiden Sie deshalb nicht über den Preis, sondern darüber, ob die Bedingungen wirklich Ihr Risiko treffen. Wenn Sie dabei einen zweiten Blick auf Ihre Bedingungen möchten, bin ich für Sie da.

Häufige Fragen

Welche Versicherung zahlt bei Hochwasser?
Bei Hochwasser zahlt die Wohngebäudeversicherung nur, wenn sie um den Baustein Elementarschadenversicherung ergänzt wurde. Ohne diesen Zusatz besteht kein Schutz gegen Überschwemmung.
Ist Hochwasser automatisch in der Gebäudeversicherung enthalten?
Nein. Die Standard-Wohngebäudeversicherung deckt nur Feuer, Sturm, Hagel und Leitungswasser. Hochwasser und Überschwemmung sind erst mit dem Elementarbaustein versichert.
Wann zahlt die Versicherung bei Hochwasser nicht?
Vor allem ohne Elementarbaustein, bei grober Fahrlässigkeit, verschwiegenen Vorschäden, fehlender Rückstausicherung oder wenn nur Grundwasser von unten eingedrungen ist.
Zahlt die Versicherung auch bei Starkregen und Rückstau?
Starkregen-Überflutungen sind mit Elementarschutz versichert. Rückstau aus der Kanalisation zahlt der Versicherer meist nur, wenn eine funktionsfähige Rückstausicherung vorhanden ist.
Was kostet eine Hochwasserversicherung?
Der Beitrag hängt vor allem von der Hochwasser-Gefährdungsklasse Ihrer Adresse ab. In wenig gefährdeten Lagen ist der Elementarzuschlag gering, in Risikolagen deutlich höher.

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