Wert 1914 umrechnen: So berechnet man die Versicherungssumme
Nils Franke 13 Min. Lesezeit
Der Rechner wandelt den Wert 1914 aus dem Versicherungsschein in die heutige Versicherungssumme um. Eingegeben wird der historische Wert in Goldmark, dazu das gewünschte Jahr – heraus kommt der Neubauwert des Gebäudes, also die Summe, die ein vollständiger Wiederaufbau heute kosten würde.
Wert-1914-Rechner Näherungswert
Steht in Ihrem Versicherungsschein – als „Versicherungssumme 1914", „Grundbetrag 1914" oder „Wert 1914".
Der Baupreisindex wird vom Statistischen Bundesamt erhoben und vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) veröffentlicht.
Versicherungssumme heute
Das Ergebnis ist ein Näherungswert zur Orientierung; maßgeblich bleibt die Summe im Vertrag samt den vereinbarten Bedingungen. Ein Punkt lohnt sich vorweg: Berechnet wird ausschließlich der Gebäudewert – das Grundstück spielt dabei keine Rolle. Warum das so ist und wie die Zahl zustande kommt, klären die nächsten Abschnitte.
Was der Rechner abbildet – und was nicht
Der Rechner wandelt den Wert 1914 in den heutigen Neubauwert des Gebäudes um – also in die Summe, die ein Wiederaufbau in gleicher Art und Güte derzeit kosten würde. Nicht abgebildet wird das Grundstück. Grund und Boden bleiben komplett außen vor.
Das hat einen einfachen Grund: Eine Wohngebäudeversicherung versichert das Gebäude, nicht den Boden darunter. Brennt ein Haus ab oder wird es durch einen Sturm zerstört, muss das Bauwerk neu errichtet werden – das Grundstück dagegen bleibt bestehen. Deshalb zählt für die Versicherungssumme nur, was sich wieder aufbauen lässt. Wer den Wert 1914 mit dem Kaufpreis oder dem Marktwert einer Immobilie verwechselt, liegt fast immer daneben, denn in beiden steckt der Bodenwert mit drin.
Ein zweiter Punkt wird oft übersehen: In dieser Summe stecken nur die reinen Wiederaufbaukosten des Gebäudes. Aufräumen, Abbruch und Entsorgung des Schutts zählen zu den versicherten Kosten und werden im Vertrag gesondert geregelt – meist zusätzlich zur Versicherungssumme und je nach Tarif bis zu einer bestimmten Grenze. Wer diese Position übersieht, bleibt im Totalschaden schnell auf den Abriss- und Entsorgungskosten sitzen.
Was ist der Wert 1914?
Der Wert 1914 ist eine fiktive Rechengröße: Er gibt an, was das Gebäude im Jahr 1914 in Goldmark zu bauen gekostet hätte. Aus dieser stabilen Basiszahl und dem aktuellen Baupreisindex lässt sich der Neubauwert für jedes beliebige Jahr ableiten. In der Police steht der Wert 1914 oft als „Versicherungssumme 1914", „Grundbetrag 1914" oder – in älteren Verträgen – als „Brandversicherungssumme 1914".
Warum 1914 – und warum Goldmark?
1914 ist kein Zufall, sondern ein bewusst gewählter Ankerpunkt. Es war in Deutschland das letzte Jahr mit weitgehend stabilen Baupreisen, bevor Krieg und Inflation die Kosten in Bewegung brachten. Zugleich war die Mark damals durch Gold gedeckt – daher „Goldmark". Eine goldgedeckte Währung in einem preisstabilen Jahr ergibt einen wertbeständigen Bezugspunkt, der sich später nicht mehr verschiebt.
Der eigentliche Trick liegt in der Bequemlichkeit: Weil 1914 fest steht, muss nicht jedes Jahr der ganze Gebäudewert neu geschätzt werden. Es genügt, eine einzige Zahl zu aktualisieren – den Baupreisindex. So bleibt die Absicherung über Jahrzehnte auf dem aktuellen Stand, ohne dass die Police ständig neu bewertet werden muss. Ein über hundert Jahre alter Stichtag sorgt damit bis heute für eine erstaunlich pflegeleichte Systematik.
Wert 1914 berechnen: Formel und Beispiel
Die Formel ist kurz: Wert 1914 × Baupreisindex ÷ 100 = Neubauwert. Der historische Goldmark-Betrag wird also mit dem Index des gewünschten Jahres multipliziert und durch 100 geteilt. Der Rechner erledigt genau das – die Handrechnung zeigt nur, was dahintersteckt.
Beispiel: Steht in der Police ein Wert 1914 von 20.000 Goldmark, ergibt sich für 2026 mit dem Baupreisindex 2.263,6 ein Neubauwert von 20.000 × 2.263,6 ÷ 100 = 452.720 Euro. Für ein anderes Jahr wird schlicht der Index dieses Jahres eingesetzt.
Was tun, wenn der Wert 1914 fehlt?
Dann führen zwei Wege zum Ziel. Der erste: im Versicherungsschein nachsehen – dort ist der Wert bei einer bestehenden Wohngebäudeversicherung fast immer vermerkt. Der zweite: die Formel umdrehen. Wer den Neubauwert aus dem Baujahr kennt, rechnet zurück – Neubauwert × 100 ÷ Baupreisindex (des Baujahrs) = Wert 1914. Bei größeren Umbauten oder Modernisierungen sollte der Wert allerdings neu ermittelt werden, am besten über einen Bausachverständigen oder gemeinsam mit dem Versicherer.
Was steckt hinter dem Baupreisindex?
Der Baupreisindex zeigt, wie stark die Kosten für den Neubau von Wohngebäuden seit dem Basisjahr gestiegen sind. Er wird vom Statistischen Bundesamt (Destatis) erhoben und für die Versicherungswirtschaft einheitlich vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bereitgestellt. Genau dieser Index macht aus dem starren Wert 1914 eine aktuelle Summe.
Wichtig für das Verständnis ist der Stichtag: Der für ein Jahr geltende Wert stammt aus dem Mai des Vorjahres. Der „2026er" Baupreisindex von 2.263,6 ist also der von Destatis für Mai 2025 veröffentlichte Wert; er gilt ab dem 1. Januar 2026. Deshalb steht die Zahl für das neue Jahr schon fest, bevor das Jahr überhaupt begonnen hat – ein Detail, das viele Ratgeber unterschlagen.
| Jahr | Baupreisindex | Veränderung z. Vorjahr |
|---|---|---|
| 2014 | 1.289,4 | — |
| 2015 | 1.310,3 | +1,6 % |
| 2016 | 1.330,7 | +1,6 % |
| 2017 | 1.358,3 | +2,1 % |
| 2018 | 1.396,7 | +2,8 % |
| 2019 | 1.454,3 | +4,1 % |
| 2020 | 1.523,0 | +4,7 % |
| 2021 | 1.568,3 | +3,0 % |
| 2022 | 1.668,2 | +6,4 % |
| 2023 | 1.961,4 | +17,6 % |
| 2024 | 2.134,5 | +8,8 % |
| 2025 | 2.192,4 | +2,7 % |
| 2026 | 2.263,6 | +3,3 % |
Ein Blick auf die Reihe erklärt, warum die Absicherung mitwachsen muss: Zwischen 2022 und 2024 sind die Baupreise sprunghaft gestiegen, allein 2023 um rund 17 Prozent. Ohne angepasste Summe entstünde in dieser Zeit schnell eine erhebliche Lücke.
Wert 1914, Neubauwert, Verkehrswert
Drei Werte werden rund um die Immobilie ständig verwechselt, meinen aber Verschiedenes. Für die Wohngebäudeversicherung zählt allein der Neubauwert, der aus dem Wert 1914 entsteht – nicht der Verkehrswert, den ein Haus am Markt erzielen würde. Der Unterschied kann groß sein: Ein gepflegtes Haus in schwacher Lage hat einen hohen Neubauwert, aber einen niedrigen Verkehrswert. Wer den Verkehrswert versichert, riskiert eine deutliche Unterversicherung.
| Wert | Was er ausdrückt | Grundstück? | Wofür genutzt |
|---|---|---|---|
| 1914 | fiktive Baukosten des Gebäudes im Jahr 1914 | nein | Basiszahl der Versicherungssumme |
| Neuwert | heutige Kosten für den Wiederaufbau des Gebäudes | nein | Höhe der Versicherungssumme |
| Marktwert | am Markt erzielbarer Preis der Immobilie | ja | Kauf, Verkauf, Beleihung |
Für die Police heißt das: Der Rechner liefert die Größe, die zählt – den Neubauwert des Gebäudes. Verkehrswert und Kaufpreis gehören in eine andere Betrachtung und sind für die Versicherungssumme kein Maßstab.
Warum die Summe automatisch steigt
Die meisten Verträge laufen als gleitende Neuwertversicherung. Das bedeutet: Die Versicherungssumme wird jedes Jahr automatisch an den neuen Baupreisindex angepasst, ohne dass etwas zu tun ist. Der Vorteil liegt im Unterversicherungsverzicht – solange der Wert 1914 korrekt ist, bleibt das Gebäude auch bei steigenden Baukosten voll abgesichert.
Parallel dazu steigt der Beitrag. Dafür sorgt allerdings nicht der Baupreisindex allein, sondern der sogenannte Anpassungsfaktor (auch gleitender Neuwertfaktor), der zusätzlich die Lohnentwicklung im Baugewerbe einbezieht. Das ist ein eigenes Thema – für die Berechnung der Versicherungssumme aus dem Wert 1914 spielt der Anpassungsfaktor keine Rolle. Entscheidend bleibt hier allein der Baupreisindex.
Fachbegriffe im Überblick
- Wert 1914
- Fiktive Baukosten des Gebäudes im Jahr 1914 in Goldmark; Basiszahl für die Versicherungssumme.
- Goldmark
- Die vor 1914 goldgedeckte deutsche Währung; sie macht 1914 zu einem wertbeständigen Bezugsjahr.
- Neubauwert
- Heutige Kosten, um das Gebäude in gleicher Art und Güte wieder aufzubauen – ohne Grundstück.
- Baupreisindex
- Kennzahl des Statistischen Bundesamtes für die Entwicklung der Neubaukosten; Stichtag ist der Mai des Vorjahres.
- Gleitende Neuwertversicherung
- Vertragsform, bei der die Versicherungssumme jährlich automatisch an den Baupreisindex angepasst wird.
- Brandversicherungssumme 1914
- Älterer Begriff für den Wert 1914; wird identisch berechnet.
Fazit nach meinen 30 Jahren Branchenerfahrung
Der Wert 1914 verwirrt viele Eigentümer – eine Zahl in Goldmark aus einem Jahr, das über ein Jahrhundert zurückliegt, wirkt erst einmal aus der Zeit gefallen. Dabei ist er das Gegenteil von kompliziert: ein fester Bezugspunkt, an dem sich der Gebäudewert Jahr für Jahr sauber fortschreiben lässt. Wer diese eine Idee verstanden hat, versteht die halbe Wohngebäudeversicherung.
In der Praxis sehe ich zwei Fehler immer wieder: den Kaufpreis mit dem Wert 1914 zu verwechseln – und damit den nie versicherten Bodenwert einzurechnen – und einen längst überholten Wert 1914 aus der alten Police zu übernehmen, obwohl an- oder ausgebaut wurde. Beides führt geradewegs in die Unterversicherung. Der Rechner ist der erste Schritt; der zweite gehört Ihnen: ein Blick in die eigene Police. Steht dort noch der Wert, der zum heutigen Haus passt? Diese eine Frage entscheidet im Schadenfall oft über Zehntausende Euro.
Häufige Fragen
Wo finde ich den Wert 1914 in meinem Versicherungsschein?
Wie hoch ist der Baupreisindex 2026?
Deckt der Wert 1914 auch das Grundstück ab?
Ist die Brandversicherungssumme 1914 dasselbe wie der Wert 1914?
Was ist besser: Wert 1914 oder Wohnflächenmodell?
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